Press - Reviews
03rd July 2008
Zoom Code review, Metal District

ThanatoSchizO
Zoom Code
CD, My Kingdom Music, 2008


Manchmal fragt man sich schon, wie zum Teufel man es anstellen soll, bei der enormen Flut von Bands dieser Tage so weit am Ball zu bleiben und kein Juwel zu verpassen. Klappt leider nicht immer, zumindest kann ich mir nicht erklären wie sonst die Portugiesen von THANATOSCHIZO bisher an mir vorbei kamen. Gut, kann damit zusammenhängen, dass sie mit My Kingdom Music gerade erst eine Labelheimat mit etwas größeren Möglichkeiten gefunden haben, als das zuvor Rage Of Achiles oder Pandemonium Records innehatten. Ihr aktuelles Album „Zoom Code“ wird jetzt aber einem etwas größeren Publikum vorgestellt und verdient diese Aufmerksamkeit auch allemal.

Das Sextett, welches bereits 1998 gegründet wurde, spielt einen schwer zu beschreibenden Stilmix. Möchte man es mit relativ wenigen Worten bezeichnen, könnte man es progressiven Death Doom Metal nennen, der durch leichte Anleihen an Weltmusik schon avantgardistische Züge annimmt.
Verwirrt? Macht nichts, denn die Musik spricht ehrlichgesagt für sich.
Melodic Death Metal der Marke AMORPHIS ist für lange Passagen ein dominanter Bestandteil, gerade die klare Gitarrenarbeit schlägt stellenweise sehr nach den Finnen, was durch die folkloristischen Anteile nicht gerade gemindert wird, und ergänzt sich ausgezeichnet mit der ausgesprochen guten Keyboardarbeit, die zu den ausdifferenzierten Melodien beiträgt. Hinzu kommt eine gute Prise progressiven Rocks, gerade in den ruhigeren und basslastigeren Momenten. Das Einstreuen von Streichern und auch mal einem Akkordeon trägt die Experimentierfreude frei nach außen, wirkt aber ebenso wenig deplaziert wie anderweitige elektronische Spielereien. Sieht man sich dann noch die oft treibende und stets sinnige Schlagzeugarbeit an ergibt sich ein instrumental hervorragendes Bild, welches durch die Tatsache, dass hier echte Könner an den Instrumenten agieren einen weiteren Pluspunkt einheimst.
Aber von Instrumenten allein leben die wenigsten Alben und so bietet auch „Zoom Code“ natürlich noch die Gesangsebene, und die hat es in sich. Sehr schöne tiefe Growls kommen zum Einsatz, wenn auch mir eine Spur zu selten, und bringen gerade in den brachialeren Momenten noch mehr Düsternis in die ohnehin oft sehr sinistren Songs. Ergänzt wird das durch eine recht gute klare Männerstimme, die in den beschwingteren, leichteren Momenten zum Tragen kommt. Beides steht allerdings hinter der Stimmgewallt von Sängerin Patrícia Rodrigues zurück, die Anteilig gesehen den Vorzug erhält und auch einfach zum Kapital der Band gehört, denn die gute Frau lässt da eine ordentliche Portion Stimmgewalt hören, irgendwo zwischen Cristina Scabbia und Anneke van Giersbergen.
Die Produktion schafft es dabei, bei der nötigen Kraft und ausreichend Volumen und Tiefe so klar zu sein, dass die herausragenden musikalischen Leistungen deutlich zu erkennen sind.

Aber natürlich gibt es bei einer Menge Licht auch ein paar Schattenseiten. Sie hätten vielleicht beim Opener nicht so schamlos bei OPETH Riffs klauen sollen, mal als Kleinigkeit. Darüber hinaus ist der Hang der Band zu ungewöhnlichen und vertrackten Melodien Segen und Fluch zugleich, da sich der ein oder andere Übergang nicht ganz ausgereift anhört, als wäre man nicht willens gewesen grandiose Ideen zugunsten einer besseren Homogenität fallen zu lassen. Das lässt ein Wenig den Eindruck zurück, es fehlt etwas. Der erhabene Moment, der aus herausragender Musik mit unglaublich viel Talent ein echtes Meisterwerk macht tritt nicht so recht ein. Aber vielleicht kommt das noch, sollte man auf einen Produzenten mit dem richtigen Händchen treffen.
5 CDs + 1 EP + T-shirt
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