Press - Reviews
15th May 2008
Zoom Code review, Stormbringer

Thanatoschizo
Zoom Code
CD, My Kingdom Music, 2008


Dass Portugal vor allem für Freunde der gepflegten Melancholie im Metal ein guter Nährboden zu sein scheint, weiß man spätestens seit den seit über 10 Jahren präsenten und kürzlich wiedererstarkten MOONSPELL. Zum illustren Zirkel der portugiesischen Manisch-Depressiven gesellen sich jetzt auch die in ihrer Heimat bereits weithin bekannten Jungs und das Mädel von THANATOSCHIZO, die im April ihr neues Album „Zoom Code“ vorgelegt haben.

Und das ist weit mehr als ein Geheimtip. „Zoom Code“ vermischt progressiven Death a la OPETH, Doom Metal nach DRACONIAN-Art und orientalisch-folkloristische Klänge, wie man sie im Metal noch überhaupt nie gehört hat. In guten Momenten ist „Zoom Code“ daher nicht weniger als fantastisch – so etwa beim spartanisch betitelten „L.“, das förmlich Gluthitze und Wüstenstaub aus den Boxen projiziert. Wuchtige, mächtige Killerriffs ganz im Stile des Herrn Åkerfeldt treffen auf schier endlose Klanglandschaften, die eine faszinierende Atmosphäre erschaffen, aber nie in minutenlange Feedback-Orgien ausarten, sondern immer schön geordnet bleiben. „Zoom Code“ ist hoch komplex, aber trotzdem eingängig geraten, was nicht zuletzt an der sehr gut gelungenen Produktion liegt, die die Musik von THANATOSCHIZO optimal zur Geltung bringt. Der Sound verpasst dem Album zusammen mit den ohnehin schon ungemein vielschichtigen Arrangements epische breite, die ja gerade im Progressive- und Doom-Bereich immer sehr gut kommt.

Angesichts dieser äußerst positiven Punkte stören einige seltsame musikalische Entscheidungen der Band umso mehr. So fügt sich etwa Sängerin Patrícias Stimme in den meisten Songs des Albums nahtlos ein; andernorts – wie bei „(Un)bearable Certainty“ oder auch bei „Pleasure Pursuit“ – wirkt ihr Gesang nicht nur unpassend, weil viel zu poppig, sondern auch schlecht artikuliert und ziemlich aufgesetzt. Da stehen ihr sphärische Background-Vocals wesentlich besser zu Gesicht. Auch die normalerweise exzellent schreienden Kollegen sollten lieber die Finger (bzw. die Stimmbänder) vom cleanen Gesang lassen – der passt erstens schlecht zur sonstigen Musik und zweitens beherrschen sie Screams und Growls wesentlich besser.

Von diesen (verzeihbaren) Fehlgriffen abgesehen ist „Zoom Code“ aber ein Album geworden, dass einem durchaus die Wartezeit auf das nächste Werk aus dem Hause OPETH oder DRACONIAN verkürzen kann. THANATOSCHIZO verstehen ihr musikalisches Handwerk und haben ganz nebenbei auch noch ein Gespür für atmosphärischen Progressive Death Metal. Hört sich ziemlich gut an? Ist es auch. [4/5]

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